Das Valle de Núria in den spanischen Pyrenäen ist der perfekte Ausgangspunkt für eine zweitägige Wanderung mit Hüttenübernachtung – ideal für alle, die ein kurzes, aber intensives Naturerlebnis in den Bergen suchen. Die Route führt durch spektakuläre Hochgebirgslandschaften, vorbei an Flüssen, grünen Tälern und imposanten Gipfeln, und bietet mit dem Refugi de Coma de Vaca eine urige Unterkunft mitten in der Natur.
Gestartet wird in der Regel in Núria, einem autofreien Ort, der mit der Zahnradbahn von Ribes de Freser oder Queralbs aus erreichbar ist. Von dort aus führt der Weg durch das abgelegene Valle de Núria (Valle = „Tal“) bis zur Hütte. Am zweiten Tag geht es weiter talwärts über Queralbs zurück ins Tal.
Die Tour ist gut ausgeschildert, technisch nicht schwierig und auch für Wandernde mit durchschnittlicher Kondition gut zu bewältigen – perfekte Bedingungen für ein entspanntes Wanderwochenende in den Pyrenäen. In diesem Artikel teilen wir die genaue Route, Tipps zur Planung und unsere persönlichen Eindrücke von einer Tour, die sich sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Bergfreunde lohnt.
In diesem Erfahrungsbericht teile ich mit dir alles, was du für die Planung der Wanderung wissen musst: Anreise nach Núria, die beiden Tagesetappen, Route, Packliste, Unterkünfte.
die Wanderung auf einen Blick
Gesamte Route: 2 Tage, 25,8 km, ↗ 980 hm, ↘ 2.040 hm
Startpunkt: Núria (nur per Zahnradbahn oder zu Fuß erreichbar, autofrei)
Endpunkt: Ribes de Freser (über Queralbs, Bahnanschluss vorhanden)
Höchster Punkt: Collado de Noucreus (ca. 2.799 m)
Schwierigkeit: leicht bis moderat – keine technische Erfahrung nötig
Beste Reisezeit: Juni bis Oktober (schneefrei & stabileres Wetter) – wir waren Anfang November dort
Übernachtung: Refugi de Coma de Vaca (bewirtschaftet, Reservierung empfohlen)
Verpflegung: Halbpension in der Hütte möglich, tagsüber Selbstverpflegung (Lunchpaket in Hütte verfügbar)
Anreise:
Mit der Zahnradbahn ab Ribes de Freser oder Queralbs
Parkplätze & Bahnanschluss in beiden Orten vorhanden
Navigation: Gut markiert; Offline-Karte empfohlen (z. B. komoot, Maps.me, Outdooractive)
Kosten (grobe Orientierung):
Anreise nach Ribes de Freser / Queralbs: je nach Art der Anreise
Zahnradbahn nach Núria: 21-23€ einfache Fahrt von Ribes de Freser / Queralbs
Übernachtung im Refugio (für alle über 21): Halbpension 62€, Halbpension + Lunch-Paket 78€ (Stand: Oktober 2025)
Beste Reisezeit
Die ideale Zeit für diese Wanderung liegt zwischen Juni und Oktober, wenn die Wege schneefrei und die Wetterbedingungen in den Pyrenäen meist stabil sind. In dieser Zeit erwarten dich grüne Täler, milde Temperaturen und klare Bergsichten – perfekte Voraussetzungen für eine entspannte Tour mit Hüttenübernachtung. In den Monaten Juni bis September liegen die Tageshöchsttemperaturen in der Regel zwischen 15 °C und 25 °C, in der Nacht kann es jedoch deutlich abkühlen – auf unter 10 °C, besonders auf über 2.000 Metern Höhe. Regen, Nebel und starker Wind sind in den Bergen jederzeit möglich. Eine wetterfeste Ausrüstung (Regenjacke, warme Schicht) gehört daher unbedingt ins Gepäck. Vor dem Start empfiehlt es sich, den aktuellen Wetterbericht für die Region zu prüfen.
Wir selbst waren Anfang November unterwegs – und hatten Glück: Am ersten Tag schien die Sonne, es war angenehm warm, und wir konnten im T-Shirt wandern. Am zweiten Tag war es deutlich kühler, neblig und windiger – die typischen Herbstbedingungen in den Bergen. Auch wenn die Tour machbar war, hängt der Erlebnisfaktor im Spätherbst stark vom Wetter ab.
Anfahrt
Die Wanderung durchs Valle de Núria lässt sich sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem eigenen Auto gut erreichen. Egal, ob du mit dem Auto oder Öffis anreist – der letzte Teil der Strecke von Queralbs oder Ribes de Freser nach Núria muss mit der Zahnradbahn (Cremallera de Núria) zurückgelegt werden. Núria ist autofrei. Ab Queralbs kann man außerdem direkt zu Fuß nach Núria wandern.
Tickets für die Zahnradbahn bekommt man entweder vor Ort am Schalter oder online über die Website www.valldenuria.cat – das Ticket für eine einfache Fahrt heißt hier „Cremallera 1 Trayecto“.
Hier sind die beiden gängigsten Anreiseoptionen im Überblick:
Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb Spaniens
Die bequemste Option ist die Anreise mit dem Zug. Wir sind z. B. von Barcelona aus mit dem Regionalzug R3 (Richtung Puigcerdà) direkt nach Ribes de Freser (fährt auch nach Queralbs) gefahren – die Fahrt dauert ca. 2 bis 2,5 Stunden.
Typische öffentliche Ausgangspunkte für die Anreise mit dem Zug sind:
Barcelona (z. B. Sants, Plaça de Catalunya oder Arc de Triomf)
Vic (wer aus Zentral-Katalonien kommt)
Ripoll (kleinere Umsteigestation)
Girona (über Bus/Umstieg in Vic möglich, aber etwas umständlicher)
Abhängig davon, von wo genau du in Spanien startest, kannst du das Zugticket auf 2 verschiedenen Plattformen kaufen. RENFE ist die offizielle nationale Eisenbahngesellschaft Spaniens, und ihre Website ist die zentrale Anlaufstelle für fast alle Zugverbindungen (vor allem Fernverkehr) im Land.
Die Regionalzüge in Katalonien (Rodalies) werden zwar von RENFE betrieben, aber teilweise über eine separate Website dargestellt rodalies.gencat.cat. Dort findest du Fahrpläne, Tarife und Infos zu Zonen, allerdings kein Online-Ticketverkauf – Tickets für diese Züge kaufst du am besten direkt am Automaten oder Schalter. Für Regionalzüge (Rodalies) sind Tickets oft nur kurzfristig buchbar, nicht Wochen im Voraus.
Anreise mit dem Auto
Wer mit dem Auto zum Valle de Núria anreisen möchte, steuert am besten die Ortschaften Ribes de Freser oder Queralbs an. Beide Orte verfügen über Parkmöglichkeiten und dienen als Ausgangspunkt für die Weiterfahrt mit der Zahnradbahn („Cremallera de Núria“), die ins autofreie Hochtal führt. Die Strecke ab Ribes de Freser ist landschaftlich sehr reizvoll und dauert rund 40 Minuten – ein Erlebnis für sich! Queralbs liegt bereits etwas höher und ist die letzte Station, die mit dem Auto erreichbar ist. Wer also die Fahrzeit mit der Bahn etwas verkürzen möchte, kann direkt dort parken. In der Hochsaison empfiehlt es sich, frühzeitig anzureisen, da die Parkplätze schnell belegt sein können.
Unterkunft
Übernachtet haben wir im Refugio Coma de Vaca, einer einladenden Schutzhütte in einem idyllischen, von Gipfeln umgebenen Tal, wo die Flüsse Freser und Coma de Vaca zusammenfließen. Die Hütte liegt auf etwa 2.000 m Höhe und ist ein perfekter Zwischenstopp für Wandernde, die im Valle de Núria übernachten wollen. Sie bietet einfache, aber gemütliche Schlafplätze sowie warme Mahlzeiten – genau das Richtige nach einem langen Wandertag. Eine Reservierung ist unbedingt zu empfehlen, besonders in der Sommer- und Herbstsaison. Gebucht werden kann das Refugio ganz unkompliziert über die offizielle Website der Refugis de Catalunya oder per E-Mail/Telefon (die Kontaktdaten stehen auch auf der Website).
Die Preise für alle Personen über 21 Jahren sind (Stand Oktober 2025):
- 62€ für Halbpension (Abendessen, Übernachtung. Frühstück)
- 78€ für Halbpension + Lunchpaket für den nächsten Tag
Tipp: Wer früh genug ankommt, kann noch einen Abstecher zur nahegelegenen Wasserquelle machen oder einfach die Stille und Aussicht auf die umliegenden Pyrenäengipfel genießen.
Wenn du noch ein paar Nächte länger in dieser schönen Gegend bleiben willst, bieten sich folgende Refugios für eine Übernachtung an:
- Refugio Ulldeter
- Refugio Corral Blanco
- Refugio Los Estudios
- Albergue Pic de l’Àliga Núria
- Refugio Pla d’Erola
Packliste
Ich hatte alles in meinen 26l großen Wanderrucksack bekommen (und ein paar Sachen draußen rangehängt). Am besten hast du ein Regencover für den Rucksack.
Kleidung
Du brauchst Kleidung für Hitze, Kälte und Regen – also am besten das Zwiebelprinzip anwenden. Tagsüber sind wir in T-shirt gelaufen, aber sobald die Sonne weg ist, wird’s schon kalt und, vor allem in der Nebensaison, hängt oft Nebel im Tal.
✅ Wanderkleidung im Zwiebelprinzip
✅ Wanderschuhe (eingelaufen, mit gutem Profil)
✅ Regenjacke / Poncho (Wetter kann schnell umschlagen)
✅ Mütze & evtl. Buff/Halstuch + leichte Handschuhe (je nach Saison)
✅ Sonnenbrille + Sonnenhut / Kappe
✅ Warme Wechselkleidung für abends
Hygiene & Erste Hilfe
✅ Sonnencreme + Lippenbalsam mit LSF
✅ Kleines Handtuch / Mikrofaser
✅ Seife
✅ Zahnbürste & Zahnpasta
✅ Deo
✅ Feuchttücher / Desinfektion
✅ Erste-Hilfe-Set (Blasenpflaster, Pflaster, Schmerzmittel, Desinfektionsmittel)
✅ Persönliche Medikamente
Wanderausrüstung & Sonstiges
✅ Trekkingstöcke (optional)
✅ Stirnlampe mit Ersatzbatterien
✅ Trinksystem oder Trinkflaschen (mind. 2 Liter Kapazität) oder Trinkflasche mit Wasserfilter
✅ Powerbank (im Refugio gibt’s auch Steckdosen)
✅ Ohrstöpsel (Übernachtung in Schlafsaal)
✅ Verpflegung für den ersten Tag & Snacks für unterwegs: Brote, Riegel, Nüsse, Schokolade etc.
✅ Ausweisdokument
✅ Bargeld für die Zahnradbahn restliche Zahlung in der Unterkunft, Essen & Snacks unterwegs (nicht mit Karte zahlbar)
✅ Offline-Karte auf Handy (z. B. Maps.me, komoot)
✅ Müllbeutel (für eigenen Abfall)
die Wanderung
Unsere zweitägige Wanderung führt durch einige der eindrucksvollsten Landschaften der östlichen Pyrenäen – von der hoch gelegenen Wallfahrtsstätte Núria über das abgeschiedene Tal der Coma de Vaca bis hinunter nach Ribes de Freser. Auf abwechslungsreichen Pfaden durchqueren wir alpine Wiesen, queren Bergbäche und genießen spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Gipfel. Hier teilen wir die Route in zwei Tagesetappen auf – mit allen Highlights und Tipps zur Orientierung unterwegs.
Tipp: Eine Offline-Karte bzw. Wanderapp zur Navigation sehr hilfreich. Ich benutze Komoot – in meinem Profil findest du den gesamten Trek und auch weitere Wanderungen auf der ganzen Welt. Hier die Übersicht über die zweitägige Wanderung:
Tag 1: von Núria zum Refugio Coma de Vaca
- Strecke: 10 km
- Höhenmeter: ↗ 820 hm, ↘ 590 hm (Núria auf 1.965 m → 2.771 m → Refugio Coma de Vaca auf 2.010 m)
- Dauer: 4 Stunden
Die Tour beginnt im malerisch gelegenen Vall de Núria auf etwa 2.000 m Höhe. Der Ort ist nur per Zahnradbahn oder zu Fuß erreichbar und bekannt für seine imposante Wallfahrtskirche, eingebettet zwischen hohen Pyrenäengipfeln. Trotz der Abgeschiedenheit gibt es hier ein kleines Hotel, Restaurants, eine Seilbahn und sogar einen See – ein ungewöhnlich belebter Startpunkt für eine Hochgebirgswanderung.
Wir verlassen Núria in südwestlicher Richtung und folgen dem gut ausgeschilderten Camí dels Enginyers, einem spektakulären Höhenweg, der sich zunächst sanft über Wiesen und später felsigeres Terrain schlängelt. Der Weg verläuft oberhalb des tief eingeschnittenen Freser-Tals und bietet fantastische Ausblicke – bei gutem Wetter sieht man weit in die Täler Kataloniens hinein. Der Pfad ist technisch nicht allzu schwierig, verlangt aber Trittsicherheit, vor allem bei nassen Bedingungen.
Nach etwa 3,5–4 Stunden Gehzeit erreichen wir das Refugi Coma de Vaca, idyllisch gelegen an der Mündung zweier Flüsse. Die Hütte bietet warme Mahlzeiten, Schlafplätze in Mehrbettzimmern und ist der perfekte Ort, um den ersten Wandertag ruhig ausklingen zu lassen – mit Blick auf die umliegenden Bergketten und das Rauschen des Wassers im Hintergrund.
Tag 2: vom Refugio Coma de Vaca nach Ribes de Freser
- Strecke: 15,1 km
- Höhenmeter: ↗ 220 hm, ↘ 1.290 hm (Refugio Coma de Vaca auf 2.010 m → Ribes de Freser auf 913 m)
- Dauer: 5,5 Stunden
Nach einer Nacht im Refugio starten wir gut gestärkt in den zweiten Tag. Vom Refugi Coma de Vaca aus folgen wir bis nach Ribes de Freser dem Flussverlauf des gleichnamigen Flusses (Freser), der hier in klaren Kaskaden Richtung Tal rauscht.m Der Abstieg führt zunächst durch das weite, offene Tal des Freser und ist landschaftlich mindestens genauso reizvoll wie der erste Tag – und bietet eine völlig andere Perspektive auf die Region.
Es geht stetig bergab, aber nie steil – ein gut zu laufender Pfad, der durch Wiesen, lichte Wälder und schließlich dichter bewachsenes Terrain führt. Unterwegs gibt es mehrere schöne Rastplätze, an denen man die Ruhe genießen oder die Füße im eiskalten Gebirgswasser kühlen kann.
Je tiefer man kommt, desto mehr verändert sich die Vegetation – alpine Gräser weichen schattigen Wäldern, und irgendwann tauchen die ersten Häuser von Ribes de Freser auf. Nach etwa 5 Stunden reiner Gehzeit erreichen wir den Ort, der mit Cafés, kleinen Läden und direkter Bahnverbindung zurück nach Barcelona oder ins Umland einen angenehmen Schlusspunkt der Tour bildet.
Kosten
Für die Wanderung kommen folgende Kosten auf dich zu:
✅ Anreise nach Queralbs / Ribes de Freser: je nach Art der Anreise und Ausgangspunkt
✅ Zahnradbahn nach Núria (von Queralbs / Ribes de Freser): 21–23 €
✅ Unterkunft im Refugio Coma de Vaca: 62€ für Halbpension / 78€ für Halbpension + Lunchpaket
✅ eigene Snacks & Verpflegung & Wasser: ca. 10 €
✅ sonstiges ( z.B. Kaffee / Restaurant in Ribes de Freser) ca. 20 €
Somit kommt man für die zweitägige Wanderung auf einen Gesamtpreis von ca. 124 € (bei Halbpension) zzgl. Anreisekosten nach Queralbs / Ribes de Freser.
Fazit
Die zweitägige Wanderung von Núria über das Refugi Coma de Vaca nach Ribes de Freser ist landschaftlich abwechslungsreich, technisch moderat und gut markiert. Sie eignet sich ideal für eine Wochenendtour in den östlichen Pyrenäen. Der Startpunkt Núria ist mit der Zahnradbahn bequem erreichbar, das Refugi Coma de Vaca bietet eine solide Übernachtungsmöglichkeit, und der Abstieg nach Ribes de Freser führt durch ein ruhiges, wenig begangenes Tal. Durch die gute Bahnverbindung ab Ribes de Freser ist die Tour auch als Wochenendausflug von Barcelona aus problemlos machbar.