Nur wenige Kilometer außerhalb von La Paz erhebt sich ein markanter Felsturm über die Andenlandschaft: die Muela del Diablo, auf Deutsch „Teufelszahn“. Der eindrucksvolle Basaltmonolith ist nicht nur eines der bekanntesten Wahrzeichen der Region, sondern auch ein beliebtes Ziel für eine halbtägige Wanderung mit spektakulärer Aussicht auf die umliegenden Berge – darunter bei klarer Sicht sogar der mächtige Illimani (6.439 m).
Die Muela ist umgeben von einer idyllischen Hochlandlandschaft mit sanften Hügeln, weiten Wiesen und – je nach Jahreszeit – blühenden Wildblumen. Eine perfekte Kulisse für eine entspannte Auszeit in der Natur, nur einen Katzensprung vom Stadtzentrum entfernt.
Die Wanderung eignet sich ideal, wenn du dem Trubel von La Paz für ein paar Stunden entfliehen willst. Du brauchst keine besondere Ausrüstung oder Erfahrung, aber etwas Kondition und Trittsicherheit sind von Vorteil – besonders im letzten Abschnitt. Die Anfahrt ist unkompliziert und günstig, am besten erreichst du den Startpunkt mit einer Kombination aus Seilbahn („Mi Teleférico“) und Minibus.
In diesem Artikel findest du alle Infos zur Route, zur Anreise mit oder ohne Guide sowie hilfreiche Tipps zur Ausrüstung, Sicherheit und besten Reisezeit :).
alles auf einen Blick
Art der Wanderung: Tagestour ab La Paz – Auswahl zwischen entspannter oder abenteuerlicher Variante
Start- und Endpunkt: Nähe Mallasa / Pedregal (Anreise mit der Seilbahn und Minibus)
Schwierigkeit: moderat bis schwierig (ja nach Variante)
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober (Trockenzeit) ideal für klare Sicht und stabile Wege
Verpflegung:
keine Einkehrmöglichkeiten – unbedingt Snacks und Wasser mitnehmen
in Mallasa gibt’s vor oder nach der Tour kleine Läden & Lokale
Navigation:
Pfad ist nicht ausgeschildert, aber zumindest im Abschnitt zwischen Pedregal und Muela del Diablo gut erkennbar
Offline-Karte empfohlen (z. B. Maps.me, Gaia GPS oder komoot)
Anfahrt: mit der grünen Linie der Seilbahn + Minibus
- Kosten: nur für Anfahrt (3–5 BOB für Seilbahn und 3 BOB für den Bus)
Beste Reisezeit
Die beste Zeit für eine Wanderung zur Muela del Diablo ist während der Trockenzeit von Mai bis Oktober. In diesen Monaten erwarten dich meist klare Sicht, angenehme Temperaturen und stabile Wege – ideal, um die weite Landschaft und den ikonischen Felsturm zu genießen. Während der Regenzeit von November bis April kann es hingegen häufiger zu Nebel, rutschigen Wegen und plötzlichen Schauern kommen, was die Wanderung erschwert und die Aussicht einschränkt.
Anfahrt & Rückfahrt
Am besten nimmst du die grüne Linie der Seilbahn (Línea Verde, Mi Teleférico), die dich bequem vom Stadtzentrum direkt bis zur Endstation Irpavi im Süden von La Paz bringt (Kosten ca. 3–5 BOB, weniger als 1 €). Die Fahrt bietet nicht nur eine schnelle Verbindung, sondern auch spektakuläre Ausblicke auf die Stadt und die umliegenden Berge.
An der Endstation Irpavi steigst du dann in einen Minibus in Richtung Pedregal um. Es ist hilfreich, dem Busfahrer direkt zu sagen, dass du zur Muela del Diablo möchtest – so weiß er, wo er dich am besten aussteigen lässt. Die Busfahrt dauert etwa 20 bis 30 min und führt dich in die Nähe des Wanderstarts (Kosten ca. 3 BOB). Von dort aus sind es noch etwa 30 min Fußweg bis zum Einstieg in die Wanderung.
Wem das zu kompliziert ist, kann von der Innenstadt aus einfach ein Taxi nehmen. Sag dem Fahrer, dass du zur Muela del Diablo möchtest, genauer gesagt zur „entrada del sendero / inicio de la caminata“ bei Pedregal. Das Taxi kostet ca. 40–60 Bolivianos (ca. 5–8 €).
Wer den einfachen Wanderweg nimmt (s.u., gleicher Start- und Endpunkt), wird auf die gleiche Weise wieder nach la Paz zurück kommen. Wer den abenteuerlicheren Weg nimmt, kommt am Ende bei Mallasa raus und kann von dort einen Minibus zurück zur Endstation der grünen Linie der Seilbahn nehmen. Einfach an die große Straße (Carretera Principal Río Abajo) stellen und dem Bus ein Zeichen geben, wenn er vorbei fährt.
die Wanderung: 2 Optionen
In einigen Artikeln online findet man die Info, dass der Start der Wanderung entweder in Pedregal oder Mallasa möglich ist. Dazu möchte ich erwähnen, dass ich den Weg von Pedregal nach Mallasa an einigen Stellen schon als echt gefährlich wahrgenommen habe (und selbst einen eher abenteuerlichen Wanderstil habe): Erdrutsche, Geröllfelder, die den Weg teilweise weggerissen haben, eingezeichnete Brücken, die nicht mehr existieren und auf dem letzten Stück man auf einem schmalen „Pfad“ (da war eigentlich gar kein richtiger Pfad) entlang des Flusses laufen, bis man schließlich eine richtige Brücke überqueren konnte und einen breiteren Weg nach Mallasa gehen konnte.
Wenn du also eine entspannte Tageswanderung machen willst, empfiehlt es sich, als Start- sowie Endpunkt Pedregal zu wählen und den selben Weg zum Muela del Diablo hin und zurück zu nehmen.
Wenn du auf der Suche nach einem kleinen Abenteuer bist, kannst du aber auch den Weg von Pedregal nach Mallasa (oder umgekehrt) nehmen – auf eigene Gefahr. Vielleicht empfindet man das auch anders, wenn man mental darauf vorbereitet ist, aber ich war’s an dem Tag auf jeden Fall nicht.
Option 1 (einfacher): Start- und Endpunkt und Pedregal
Die Wanderung beginnt an der Bushaltestelle in Pedregal. Von dort aus führt der Weg zunächst durch ein Wohngebiet, bevor du auf eine breite, unbefestigte Schotterpiste triffst, die dich langsam bergauf in die offene Landschaft führt. Schon nach wenigen Minuten bietet sich dir ein fantastischer Blick auf La Paz, das sich weit unten im Tal ausbreitet – umrahmt von Andengipfeln und trockenen Hügeln.
Auf dem Weg zur Muela del Diablo passierst du einige vereinzelte Wohnhäuser, in deren Nähe Schafe grasen. Besonders schön: In der Trockenzeit wachsen hier viele bunte Wildblumen, die der Landschaft einen überraschend idyllischen Touch verleihen.
Am Fuße der Muela angekommen, kannst du eine kurze Pause einlegen und die Aussicht genießen, bevor es den gleichen Weg zurück zur Bushaltestelle Pedregal geht.
Option 2 (abenteuerlicher): Start in Pedregal und Endpunkt in Mallasa
Der erste Abschnitt der Wanderung gleicht dem in Option 1 beschriebenem Aufstieg zum Muela del Diablo. Wer den Weg nach Mallasa gehen will, läuft dann den Weg auf die andere Seite des Muela del Diablo weiter, wo man in ein zweites Tal blicken kann. Beim Abstieg ist der Pfad im oberen Abschnitt noch gut begehbar, doch schon bald wird es deutlich abenteuerlicher: Kleine Erdrutsche und ein Abschnitt, an dem der Weg durch ein Geröllfeld weggeräumt wurde, erfordern etwas Kletterei und gute Trittsicherheit.
Weiter unten stößt du auf eine Absperrung – da hatte ich die Wahl, den ganzen Weg wieder hoch zu gehen oder doch, wie geplant, weiter nach Mallasa. Wichtig zu wissen: In Google Maps ist auf direktem Weg unten über den Fluss eine Brücke eingezeichnet, die aber gar nicht existiert (Stand: Mai 2024). Stattdessen musst du ein Stück flussaufwärts gegen die Strömung laufen, bis du endlich eine richtige Brücke erreichst. Von hier aus führt ein angenehmer Weg zurück in die Zivilisation nach Mallasa.
In Mallasa kannst du dir in einem der kleinen Lokale eine wohlverdiente Mahlzeit gönnen. Zurück ins Zentrum von La Paz kommst du dann ganz einfach mit einem der Minibusse zur grünen Seilbahnlinie (Línea verde, Station Irpavi).
Wichtig: Die Strecke ist fast vollständig der Sonne ausgesetzt – es gibt kaum Schatten und keine Wasserstellen. Genügend Wasser und Sonnenschutz sind absolute Pflicht, vor allem an heißen Tagen!
Folgende Karte zeigt die Wanderung. Wie unschwer erkennbar, ist an einer Stelle kurz das GPS ausgesetzt (das komplett gerade Stück) – der richtige Weg ist aber nicht verfehlbar.
Fazit
Die Wanderung zur Muela del Diablo ist ein super Tagestrip für alle, die La Paz für ein paar Stunden entfliehen und die spektakuläre Natur der Anden erleben möchten – ganz ohne lange Anreise, teure Tour und viele Höhenmeter, wie bei vielen anderen Wanderungen in der Region. Die Kombination aus weitem Panorama, bizarrer Felsformation und einem abenteuerlichen Abstieg nach Mallasa macht diese Tour zu einem Erlebnis.
Wenn du kein geübter Wanderer bist, einen entspannten Ausflug statt Abenteuer suchst, würde ich wirklich die einfache Option der Wanderung empfehlen und nicht den Abstieg nach Mallasa.
ich war außerdem erstaunt, wie wenig los war. Obwohl man im Internet so einige Artikel über diese Wanderung findet, bin ich keinem einzigen anderen Wanderer begegnet.